Baum des Jahres 2017

Späte Ehre für die „große Schwester“ der Kiefer

Fichte ol

Die Fichte: Geschätzt und abgelehnt gleichermaßen. 2017 steht im Zeichen einer Baumart, die wie keine andere den Wald in Deutschland in den letzten zwei Jahrhunderten geprägt hat und seit einigen Jahren die Gemüter erhitzt.

Die Schirmherrschaft übernimmt der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftrat, Georg Schirmbeck gemeinsam mit der Deutschen Baumkönigin 2017, Anne Bente Schnoor.

Seit 27 Jahren ruft das Kuratorium den Baum des Jahres aus. Doch die häufigste Baumart Deutschlands – die Fichte – war bisher nicht dabei. Warum das Kuratorium Baum des Jahres um diese Nadelbaumart einen Bogen schlug, hat Gründe: die Fichte polarisiert. Für die einen ist sie der Brotbaum der deutschen Forstwirtschaft, für die anderen der Inbegriff naturferner Monokulturen.

Fichtenzapfen

Grenzen des Wachstums: Die Fichte in Brandenburg
Die heute schon geringen Niederschläge und relativ hohen Jahrestemperaturen in Brandenburg sind auch in Zukunft der begrenzende Faktor für das Gedeihen der Fichte im Land. So hat sie hier auch nur ein natürliches Vorkommen in der Niederlausitz und kommt künstlich angebaut und kleinflächig vor allem in den klimatisch begünstigten, nördlichen Landesteilen vor.

Damit nimmt die Fichte in Brandenburgs Wäldern eine Fläche von 16.855 Hektar ein, das sind nur 1,6% der Waldfläche. Die „Brandenburger Durch-schnitts-Fichte“ ist 58 Jahre alt, 20 Meter hoch und hat einen Durchmesser (in 1,3m Höhe) von 24 cm.

Als besonderes Naturdenkmal und touristischer Anziehungspunkt in Brandenburg gilt die 180 Jahre alte, jedoch 2007 vom Sturm gefällte „Wurzelfichte in Buckow“ (Landkreis MOL). Interessant ist, dass in früheren Jahrhunderten in Brandenburg der Begriff Fichte für alle Nadelbäume und damit auch die Kiefer verwendet wurde. So gibt es noch heute Waldbezeichnungen wie „Bauernfichten“.

Von der Wald-Retterin zum Monokultur-Horror?
Die Fichte ist neben der Kiefer der Symbolbaum für gelungene Wiederbewaldung in Deutschland: Holznot im 18. und 19. Jahrhundert, Reparationshiebe und Wiederaufbau machten die Baumart in der Forstwirtschaft viele Jahre unersetzlich. Reine Fichtenwirtschaft zeichnet sich durch gute Holzerträge aus, jedoch ist das Risiko große Teile eines Bestandes durch Sturm und Forstschädlinge zu verlieren hoch. Ökologische Folgen von Fichtenreinbeständen sind Versauerung und Nährstoffverlusten des Waldbodens. Ziel der Fichtenwirtschaft sind Mischwälder mit Buchen, Kiefern oder Douglasien. So kann das wertvolle, CO2 -neutrale Fichtenholz in einem stabilen Wald gewonnen werden.

Fichtenwald


Die Fichte und der Klimawandel
Die Fichte gilt als die heimische Baumart mit dem ungünstigsten Anpassungspotenzial an kommende klimatische Veränderungen. Sie benötigt nur wenige Nährstoffe, die Wasserversorgung hingegen muss gewährleistet sein. Damit ist sie für Schwankungen der Niederschläge schlecht gerüstet. Die Aufgabe der Forstwirtschaft besteht darin, gefährdete Standorte zu erkennen und rechtzeitig mit klimaresistenten Baumarten anzureichern. „Die Fichte hat eine Zukunft in Deutschland – auch in Zeiten des Klimawandels. Es bedarf jedoch etwas Sachverstandes, um sie heute sinnvoll in den Wald zu integrieren.“ erklärt Kurator Dr. Sylvius Wodarz.

Vorkommen
In Deutschland kommt die Fichte (Picea abies) in höheren Lagen der Mittelgebirge und den Alpen vor, oberhalb von 1.000 Metern bildet sie oft natürliche Reinbestände. Der gerade Stamm und etagenweise Aufbau der Äste sind typisch. Die länglichen, braunen Zapfen hängen von den Zweigen herab und fallen im September zu Boden (bei Tannen dagegen stehen die Zapfen immer aufrecht auf den Zweigen und fallen nicht zu Boden!). Fichtennadeln sind spitz und stechen bei Berührung. Der Nähstoffbedarf der Baumart ist – bei guten Wuchsleistungen – gering. Stockt sie nicht standortgerecht, ist sie anfällig für Sturmwurf, Rotfäule und Borkenkäferschäden. Das Holz ist relativ leicht, fest und elastisch. Es eignet sich als Bauholz, für Möbel und als Rohstoff in der Papierindustrie.

Brotbaum Fichte
Seit knapp zwei Jahrhunderten prägt die Fichte den deutschen Wald. Ende des 18. Jahrhunderts war ein großer Teil der Wälder heruntergewirtschaftet, der Bedarf an Bauholz, Brennmaterial und Weidefläche groß. Die Fichte eignete sich als anspruchslose Baumart hervorragend zur Wiederaufforstung devastierter Standorte. Wo ursprünglich Laubwälder stockten, wuchsen bald reine Wälder aus gleichaltrigen Fichten heran, die große Mengen Holz lieferten.

Weitere ausführliche Informationen finden Sie unter www.baum-des-jahres.de

LFB

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