Waldwerkstatt Verjüngungssteuerung
SYNTHESE
Jetzt ist sie da, die Verjüngung. Alle Rahmenbedingungen haben gepasst. Weder Trockenheit, Wild noch andere Umstände konnten deren Etablierung aufhalten. Und was jetzt? Wie die Entwicklung der Verjüngung unter bestehendem Kiefernschirm steuern?
Die Bestände
Die drei Stationen betrachteten drei unterschiedliche Bestände im Forstbetrieb Lübben Revier Neusorgefeld: Punkt 1 einen 44-jährigen Kiefernbestand mit bereits höherer (ca. 1,8m), eichendominierter Naturverjüngung und ausgewiesenen Z-Bäumen im Oberstand – die Verjüngung war hier vergleichsweise weit entwickelt und stabil. Punkt 2 betraf einen 72-jährigen Kiefernschirm mit ebenfalls eichendominierter, aber noch jüngerer und weniger dichter entwickelter Naturverjüngung. Punkt 3 behandelte einen Bestand, in dem der waldbauliche Handlungsspielraum durch vergangene Durchforstungen bereits eingeschränkt war und dessen langfristiges Ziel (Dauerwald oder dauerwaldartiger Zustand) unter den Teilnehmenden ausdrücklich unklar bzw. umstritten blieb. Für weitere Informationen über die Bestände finden Sie hier den Exkursionsführer.
Fragen zur Analyse und Diskussion:
1. Was ist das mittel- und langfristige waldbauliches Ziel?
2. Was ist der Handlungsbedarf im kommenden Jahrzehnt?
3. Wie sinnhaft sind Baumarten-Ergänzungen?
4. Was sind waldbauliche/wirtschaftliche Risiken?
5. Was sind noch offene Fragen zur Verjüngungssteuerung?
Trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen zeigt sich in allen drei Protokollen dasselbe Muster: Innerhalb jeder einzelnen Gruppe reichen die Einschätzungen zu zentralen Steuerungsgrößen – etwa dem angestrebten Bestockungsgrad oder der Handlungsdringlichkeit – von einem Extrem zum anderen. Das illustriert, wie stark die Bewertung selbst bei gemeinsamer Begehung vom persönlichen Erfahrungshintergrund der Teilnehmenden abhängt.
SYNTHESE
Jetzt ist sie da, die Verjüngung. Alle Rahmenbedingungen haben gepasst. Weder Trockenheit, Wild noch andere Umstände konnten deren Etablierung aufhalten. Und was jetzt? Wie die Entwicklung der Verjüngung unter bestehendem Kiefernschirm steuern?
Die Bestände
Die drei Stationen betrachteten drei unterschiedliche Bestände im Forstbetrieb Lübben Revier Neusorgefeld: Punkt 1 einen 44-jährigen Kiefernbestand mit bereits höherer (ca. 1,8m), eichendominierter Naturverjüngung und ausgewiesenen Z-Bäumen im Oberstand – die Verjüngung war hier vergleichsweise weit entwickelt und stabil. Punkt 2 betraf einen 72-jährigen Kiefernschirm mit ebenfalls eichendominierter, aber noch jüngerer und weniger dichter entwickelter Naturverjüngung. Punkt 3 behandelte einen Bestand, in dem der waldbauliche Handlungsspielraum durch vergangene Durchforstungen bereits eingeschränkt war und dessen langfristiges Ziel (Dauerwald oder dauerwaldartiger Zustand) unter den Teilnehmenden ausdrücklich unklar bzw. umstritten blieb. Für weitere Informationen über die Bestände finden Sie hier den Exkursionsführer.
Fragen zur Analyse und Diskussion:
1. Was ist das mittel- und langfristige waldbauliches Ziel?
2. Was ist der Handlungsbedarf im kommenden Jahrzehnt?
3. Wie sinnhaft sind Baumarten-Ergänzungen?
4. Was sind waldbauliche/wirtschaftliche Risiken?
5. Was sind noch offene Fragen zur Verjüngungssteuerung?
Trotz der unterschiedlichen Ausgangslagen zeigt sich in allen drei Protokollen dasselbe Muster: Innerhalb jeder einzelnen Gruppe reichen die Einschätzungen zu zentralen Steuerungsgrößen – etwa dem angestrebten Bestockungsgrad oder der Handlungsdringlichkeit – von einem Extrem zum anderen. Das illustriert, wie stark die Bewertung selbst bei gemeinsamer Begehung vom persönlichen Erfahrungshintergrund der Teilnehmenden abhängt.
Gemeinsame Kernbotschaften
Kiefernschirm bleibt vorerst erhalten – aber wie schnell und wie stark er gelichtet wird, ist strittig
Weitgehender Konsens besteht darin, dass der Kiefern-Oberstand als schützender Schirm (Schutz vor Spätfrost, Strahlung, Hitze) und als stetige Erlösquelle noch für längere Zeit erhalten und schrittweise, nicht abrupt genutzt werden soll. Uneinig ist man sich jedoch über Tempo und Zielgröße: Die genannten Ziel-Bestockungsgrad-Werte (B°) reichen von 0,7 (kaum Absenkung) über 0,6 und 0,4–0,6 bis hinunter zu 0,2, und auch der vorgesehene Zeitraum für die vollständige Nutzung der Oberstandskiefern schwankt zwischen rund 30 Jahren und 40 - 60 Jahren.
Eingriffsintensität im Oberstand: vorsichtige, schrittweise Absenkung auf B° 0,6–0,7 zum Schutz von Mikroklima und Verjüngung ↔ zügigere Absenkung auf B° 0,4 oder sogar 0,2 zur konsequenten Förderung der Verjüngung
Eichendominierte Naturverjüngung als gemeinsamer Ausgangspunkt
An allen drei Stationen ist die vorhandene Naturverjüngung stark eichendominiert, mit nur wenigen Mischbaumarten-Individuen (v. a. Kiefer, Birke, Rot-Buche, vereinzelt Hainbuche/Rot-Eiche). Der Erhalt dieser wenigen Mischbaumarten („Minoritätenschutz“) wird grundsätzlich breit befürwortet – die konkrete Umsetzung und vor allem die Einschätzung, ob sich der Aufwand dafür noch lohnt, gehen aber auseinander. Während einige Teilnehmende jede noch verbliebene Kiefern- oder Birken-Naturverjüngung aktiv freistellen oder Bedränger entnehmen wollen, sehen andere diese Minderheiten in bestimmten Bereichen bereits als „verloren“ an und plädieren dafür, keine weitere Energie mehr in ihren Erhalt zu investieren.
„Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor“ – mit diesem Goethe-Zitat brachte ein Moderator die Bandbreite der Meinungen zum Handlungsbedarf im Kiefern-Oberstand auf den Punkt.
Ergänzungspflanzung: grundsätzlich zurückhaltend, ähnliche Artenliste
An allen Stationen überwiegt die Skepsis gegenüber aktiver Ergänzungspflanzung, solange die vorhandene Naturverjüngung als ausreichend stammzahlreich gilt: Das natürliche Verjüngungspotenzial soll primär genutzt werden, Pflanzung gilt vielfach als nachrangig oder sogar wirkungslos („zu früh gepflanzt hat keine Wirkung, schafft keine Struktur“).
Wo Ergänzung dennoch für sinnvoll gehalten wird – meist an Waldwegen, in Lücken oder nach Störungsereignissen wie Sturm oder Insektenfraß. Als praktische Umsetzungsoption wird mehrfach die Erweiterung des Rückegassenabstands von 20 auf 40 Meter genannt, wodurch auf der aufgelassenen zweiten Gasse zusätzliche Baumarten gepflanzt oder gezielt Naturverjüngung als Strukturanreicherung genutzt werden könnte.
Das bedeutet für die Beispielbestände: An allen drei Stationen werden ähnliche Baumarten genannt: Edel-Kastanie, Winter-Linde, Hainbuche, Weiß- und Küsten-Tanne, Douglasie sowie vereinzelt Berg-Ahorn und Rot-Eiche.
Risiken: abiotisch dominiert, aber auch als Chance gesehen
Über alle Stationen hinweg werden vor allem abiotische Risiken genannt: Trockenheit/Dürre, Spätfröste (besonders bei Eichen-Verjüngung), Sturm sowie Waldbrand – letzterer wird besonders kritisch gesehen, sobald die Verjüngung 6 bis 10 Meter Höhe erreicht und als „Brandbeschleuniger“ bzw. Aufstiegshilfe vom Boden- zum Kronenfeuer wirken kann.
Bei den biotischen Risiken werden Mistelbefall und generelle Vitalitätseinbußen der Kiefer, das Diplodia-Triebsterben sowie Insekten wie Schwammspinner, Forleule und Nonne genannt.
Durchgängig wird zudem auf unzureichende Schalenwildbejagung als Risikofaktor hinsichtlich evtl. unzureichender Verjüngung hingewiesen.
Interessanterweise werden Störungsereignisse im Oberstand nicht nur als Schaden, sondern auch als Chance für Strukturentwicklung und Baumartenanreicherung interpretiert.
Personal: Qualifikation und Umsetzung als durchgängige Sorge
Die mangelnde fachliche Qualifikation von Arbeitskräften für die anspruchsvollen, verjüngungsschonenden Pflegeeingriffe wird als zentrales Umsetzungsproblem benannt, wie auch in der Waldwerkstatt Dauerwald – verschärft durch erhöhten Aufwand bei Ausschreibungen und die Zusammenarbeit mit fremdsprachigen Auftragnehmern.
Der Einsatz von Stehendharvestern wird trotz höherer Kosten mehrfach als gerechtfertigt bewertet, da er die vorhandene Naturverjüngung bei der Ernte schont; alternativ wird motormanuelles Zufällen mit gezielter Fällung auf die Gassen vorgeschlagen.
Privatwald mit anderem Fokus
An allen Stationen wird betont, dass sich das im Landeswald diskutierte Waldbild kaum unverändert auf Privatwaldflächen übertragen lässt: höherer Wilddruck ohne konsequente Bejagung, oft fehlender Zaunschutz und stärkeres wirtschaftliches Interesse an der Kiefer führen dazu, dass sich Naturverjüngung dort seltener von selbst durchsetzt und der Fokus eher auf Kunstverjüngung mit Zaunschutz liegt. Gewünscht werden vereinfachte Förderbedingungen (u. a. geförderter Zaunbau auch bei Eigenjagd) sowie perspektivisch eine bessere Vergütung von Ökosystemleistungen jenseits des Holzerlöses.
Kiefernschirm bleibt vorerst erhalten – aber wie schnell und wie stark er gelichtet wird, ist strittig
Weitgehender Konsens besteht darin, dass der Kiefern-Oberstand als schützender Schirm (Schutz vor Spätfrost, Strahlung, Hitze) und als stetige Erlösquelle noch für längere Zeit erhalten und schrittweise, nicht abrupt genutzt werden soll. Uneinig ist man sich jedoch über Tempo und Zielgröße: Die genannten Ziel-Bestockungsgrad-Werte (B°) reichen von 0,7 (kaum Absenkung) über 0,6 und 0,4–0,6 bis hinunter zu 0,2, und auch der vorgesehene Zeitraum für die vollständige Nutzung der Oberstandskiefern schwankt zwischen rund 30 Jahren und 40 - 60 Jahren.
Eingriffsintensität im Oberstand: vorsichtige, schrittweise Absenkung auf B° 0,6–0,7 zum Schutz von Mikroklima und Verjüngung ↔ zügigere Absenkung auf B° 0,4 oder sogar 0,2 zur konsequenten Förderung der Verjüngung
Eichendominierte Naturverjüngung als gemeinsamer Ausgangspunkt
An allen drei Stationen ist die vorhandene Naturverjüngung stark eichendominiert, mit nur wenigen Mischbaumarten-Individuen (v. a. Kiefer, Birke, Rot-Buche, vereinzelt Hainbuche/Rot-Eiche). Der Erhalt dieser wenigen Mischbaumarten („Minoritätenschutz“) wird grundsätzlich breit befürwortet – die konkrete Umsetzung und vor allem die Einschätzung, ob sich der Aufwand dafür noch lohnt, gehen aber auseinander. Während einige Teilnehmende jede noch verbliebene Kiefern- oder Birken-Naturverjüngung aktiv freistellen oder Bedränger entnehmen wollen, sehen andere diese Minderheiten in bestimmten Bereichen bereits als „verloren“ an und plädieren dafür, keine weitere Energie mehr in ihren Erhalt zu investieren.
„Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor“ – mit diesem Goethe-Zitat brachte ein Moderator die Bandbreite der Meinungen zum Handlungsbedarf im Kiefern-Oberstand auf den Punkt.
Ergänzungspflanzung: grundsätzlich zurückhaltend, ähnliche Artenliste
An allen Stationen überwiegt die Skepsis gegenüber aktiver Ergänzungspflanzung, solange die vorhandene Naturverjüngung als ausreichend stammzahlreich gilt: Das natürliche Verjüngungspotenzial soll primär genutzt werden, Pflanzung gilt vielfach als nachrangig oder sogar wirkungslos („zu früh gepflanzt hat keine Wirkung, schafft keine Struktur“).
Wo Ergänzung dennoch für sinnvoll gehalten wird – meist an Waldwegen, in Lücken oder nach Störungsereignissen wie Sturm oder Insektenfraß. Als praktische Umsetzungsoption wird mehrfach die Erweiterung des Rückegassenabstands von 20 auf 40 Meter genannt, wodurch auf der aufgelassenen zweiten Gasse zusätzliche Baumarten gepflanzt oder gezielt Naturverjüngung als Strukturanreicherung genutzt werden könnte.
Das bedeutet für die Beispielbestände: An allen drei Stationen werden ähnliche Baumarten genannt: Edel-Kastanie, Winter-Linde, Hainbuche, Weiß- und Küsten-Tanne, Douglasie sowie vereinzelt Berg-Ahorn und Rot-Eiche.
Risiken: abiotisch dominiert, aber auch als Chance gesehen
Über alle Stationen hinweg werden vor allem abiotische Risiken genannt: Trockenheit/Dürre, Spätfröste (besonders bei Eichen-Verjüngung), Sturm sowie Waldbrand – letzterer wird besonders kritisch gesehen, sobald die Verjüngung 6 bis 10 Meter Höhe erreicht und als „Brandbeschleuniger“ bzw. Aufstiegshilfe vom Boden- zum Kronenfeuer wirken kann.
Bei den biotischen Risiken werden Mistelbefall und generelle Vitalitätseinbußen der Kiefer, das Diplodia-Triebsterben sowie Insekten wie Schwammspinner, Forleule und Nonne genannt.
Durchgängig wird zudem auf unzureichende Schalenwildbejagung als Risikofaktor hinsichtlich evtl. unzureichender Verjüngung hingewiesen.
Interessanterweise werden Störungsereignisse im Oberstand nicht nur als Schaden, sondern auch als Chance für Strukturentwicklung und Baumartenanreicherung interpretiert.
Personal: Qualifikation und Umsetzung als durchgängige Sorge
Die mangelnde fachliche Qualifikation von Arbeitskräften für die anspruchsvollen, verjüngungsschonenden Pflegeeingriffe wird als zentrales Umsetzungsproblem benannt, wie auch in der Waldwerkstatt Dauerwald – verschärft durch erhöhten Aufwand bei Ausschreibungen und die Zusammenarbeit mit fremdsprachigen Auftragnehmern.
Der Einsatz von Stehendharvestern wird trotz höherer Kosten mehrfach als gerechtfertigt bewertet, da er die vorhandene Naturverjüngung bei der Ernte schont; alternativ wird motormanuelles Zufällen mit gezielter Fällung auf die Gassen vorgeschlagen.
Privatwald mit anderem Fokus
An allen Stationen wird betont, dass sich das im Landeswald diskutierte Waldbild kaum unverändert auf Privatwaldflächen übertragen lässt: höherer Wilddruck ohne konsequente Bejagung, oft fehlender Zaunschutz und stärkeres wirtschaftliches Interesse an der Kiefer führen dazu, dass sich Naturverjüngung dort seltener von selbst durchsetzt und der Fokus eher auf Kunstverjüngung mit Zaunschutz liegt. Gewünscht werden vereinfachte Förderbedingungen (u. a. geförderter Zaunbau auch bei Eigenjagd) sowie perspektivisch eine bessere Vergütung von Ökosystemleistungen jenseits des Holzerlöses.
Zentrale Kontroversen
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die inhaltlichen Positionen zum Teil sehr weit auseinanderliegen. Die folgenden Punkte fassen die größten Meinungsunterschiede zusammen:
- Ziel-B°/Schlussgrad im Oberstand: Werte von 0,7 (kaum Veränderung) bis 0,2 (sehr starke Auflichtung) wurden genannt – zum Teil sogar innerhalb ein und derselben Station und Gruppe.
- Handlungsdringlichkeit: Von „kein Handlungsbedarf, abwarten und beobachten“ (Punkt 3) bis zu mehreren konkret vorgeschlagenen Eingriffen im kommenden Jahrzehnt (Punkt 1 und 2).
- Zieldurchmesser Kiefer: 45+ Zentimeter auf Z- und A-Standorten wurde von mehreren Teilnehmenden als zu niedrig kritisiert, alternative Vorschläge lagen bei 50+ Zentimeter; andere Stimmen wollten sich ganz von der Zielstärkenorientierung lösen und stattdessen nach Qualität und Vitalität („vom schlechten Ende her“) nutzen.
- Nutzungszeitraum Kiefernoberstand: Circa 30 Jahre (Punkt 3) versus 40 bis 60 Jahre (Punkt 2) bzw. „so lang wie möglich“ (Punkt 1).
- Wert der Minderheiten-Baumarten in fortgeschrittener Verjüngung: Aktiver, weiterhin lohnender Schutz versus die Einschätzung, bestimmte Minderheiten (v. a. Kiefer/Birke unter geschlossener Eichen-NV) seien bereits nicht mehr zu retten und jede weitere Steuerung damit vergeblich.
- Rolle des Dauerwaldes als Zielbild: Während die Dauerwald-Waldwerkstatt einen klaren gemeinsamen Bezugsrahmen hatte, blieb das langfristige Ziel eines dauerwaldartigen Zustands in dieser Waldwerkstatt an einer Station unklar formuliert und wurde teils explizit infrage gestellt, ob die vorhandenen Baumarten (Kiefer, Eiche, Birke) dafür überhaupt geeignet seien.
- Ergänzungspflanzung: Von kategorischer Ablehnung („keine Ergänzung, weder jetzt noch später“) bis zur Empfehlung, möglichst früh und aktiv zu ergänzen, um Risiken zeitig zu streuen.
- Schlagpflege nach der Ernte: Kontrovers zwischen Ablehnung (Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich) und Befürwortung, wenn sie sich gezielt auf seltene Mischbaumarten oder besonders vitale Eichen konzentriert.
- Mistelbefall: Der Befall durch die Mistel wurde teilweise stark unterschiedlich eingeschätzt. Der Umgang mit den befallenen Bäumen wurde auch kontrovers gesehen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die inhaltlichen Positionen zum Teil sehr weit auseinanderliegen. Die folgenden Punkte fassen die größten Meinungsunterschiede zusammen:
- Ziel-B°/Schlussgrad im Oberstand: Werte von 0,7 (kaum Veränderung) bis 0,2 (sehr starke Auflichtung) wurden genannt – zum Teil sogar innerhalb ein und derselben Station und Gruppe.
- Handlungsdringlichkeit: Von „kein Handlungsbedarf, abwarten und beobachten“ (Punkt 3) bis zu mehreren konkret vorgeschlagenen Eingriffen im kommenden Jahrzehnt (Punkt 1 und 2).
- Zieldurchmesser Kiefer: 45+ Zentimeter auf Z- und A-Standorten wurde von mehreren Teilnehmenden als zu niedrig kritisiert, alternative Vorschläge lagen bei 50+ Zentimeter; andere Stimmen wollten sich ganz von der Zielstärkenorientierung lösen und stattdessen nach Qualität und Vitalität („vom schlechten Ende her“) nutzen.
- Nutzungszeitraum Kiefernoberstand: Circa 30 Jahre (Punkt 3) versus 40 bis 60 Jahre (Punkt 2) bzw. „so lang wie möglich“ (Punkt 1).
- Wert der Minderheiten-Baumarten in fortgeschrittener Verjüngung: Aktiver, weiterhin lohnender Schutz versus die Einschätzung, bestimmte Minderheiten (v. a. Kiefer/Birke unter geschlossener Eichen-NV) seien bereits nicht mehr zu retten und jede weitere Steuerung damit vergeblich.
- Rolle des Dauerwaldes als Zielbild: Während die Dauerwald-Waldwerkstatt einen klaren gemeinsamen Bezugsrahmen hatte, blieb das langfristige Ziel eines dauerwaldartigen Zustands in dieser Waldwerkstatt an einer Station unklar formuliert und wurde teils explizit infrage gestellt, ob die vorhandenen Baumarten (Kiefer, Eiche, Birke) dafür überhaupt geeignet seien.
- Ergänzungspflanzung: Von kategorischer Ablehnung („keine Ergänzung, weder jetzt noch später“) bis zur Empfehlung, möglichst früh und aktiv zu ergänzen, um Risiken zeitig zu streuen.
- Schlagpflege nach der Ernte: Kontrovers zwischen Ablehnung (Kosten-Nutzen-Verhältnis fraglich) und Befürwortung, wenn sie sich gezielt auf seltene Mischbaumarten oder besonders vitale Eichen konzentriert.
- Mistelbefall: Der Befall durch die Mistel wurde teilweise stark unterschiedlich eingeschätzt. Der Umgang mit den befallenen Bäumen wurde auch kontrovers gesehen.
Offene Fragen für die weitere fachliche Diskussion
- Welche verbindlichen waldbaulichen Leitlinien (Schlussgrade, Verjüngungszeitpunkte, Zuständigkeiten) sollen künftig über die stets betonte Bedeutung konsequenter Bejagung hinaus für die Initiierung und Steuerung der Verjüngung gelten – auch außerhalb des Landeswaldes?
- Ist die 3-Baumarten-Regel bei gefördertem Waldumbau langfristig realistisch umsetzbar, wenn im Zeitverlauf oft eine natürliche Entmischung zugunsten der dominanten Art eintritt? Welcher Steuerungsaufwand ist dafür fachlich, zeitlich und finanziell zu leisten?
- Wie lässt sich die Erfassung der Naturverjüngung in Forsteinrichtung und Datenspeicher Wald verbessern? Aktuell wird Verjüngung nur in groben „Jahresscheiben“ gebucht; die Datenlage hält mit der tatsächlichen Entwicklung nicht Schritt.
- Wie kann das Interesse von Privatwaldbesitzenden am Waldumbau erhöht werden, insbesondere angesichts verbreiteter Resignation gegenüber der Wildsituation („Wird sowieso nichts“)?
- Wie wirken sich unterschiedlich intensive Pflegemaßnahmen in der Verjüngung tatsächlich auf Baumartenzusammensetzung und Struktur aus? Ein systematischer Vergleich gepflegter und ungepflegter Verjüngungsblöcke wurde als wünschenswerte Entscheidungshilfe genannt.
- Wie ist mit weitständiger Rot-Buchen-Naturverjüngung schlechter Qualität bei unklarer klimatischer Zukunftsperspektive zu verfahren?
- Welche verbindlichen waldbaulichen Leitlinien (Schlussgrade, Verjüngungszeitpunkte, Zuständigkeiten) sollen künftig über die stets betonte Bedeutung konsequenter Bejagung hinaus für die Initiierung und Steuerung der Verjüngung gelten – auch außerhalb des Landeswaldes?
- Ist die 3-Baumarten-Regel bei gefördertem Waldumbau langfristig realistisch umsetzbar, wenn im Zeitverlauf oft eine natürliche Entmischung zugunsten der dominanten Art eintritt? Welcher Steuerungsaufwand ist dafür fachlich, zeitlich und finanziell zu leisten?
- Wie lässt sich die Erfassung der Naturverjüngung in Forsteinrichtung und Datenspeicher Wald verbessern? Aktuell wird Verjüngung nur in groben „Jahresscheiben“ gebucht; die Datenlage hält mit der tatsächlichen Entwicklung nicht Schritt.
- Wie kann das Interesse von Privatwaldbesitzenden am Waldumbau erhöht werden, insbesondere angesichts verbreiteter Resignation gegenüber der Wildsituation („Wird sowieso nichts“)?
- Wie wirken sich unterschiedlich intensive Pflegemaßnahmen in der Verjüngung tatsächlich auf Baumartenzusammensetzung und Struktur aus? Ein systematischer Vergleich gepflegter und ungepflegter Verjüngungsblöcke wurde als wünschenswerte Entscheidungshilfe genannt.
- Wie ist mit weitständiger Rot-Buchen-Naturverjüngung schlechter Qualität bei unklarer klimatischer Zukunftsperspektive zu verfahren?
Fazit
Anders als die Dauerwald-Waldwerkstatt zeigt diese Waldwerkstatt zur Verjüngungssteuerung deutlich größere fachliche Meinungsunterschiede – nicht nur zwischen den drei unterschiedlichen Beständen, sondern auch innerhalb jeder einzelnen Gruppe, wo die Positionen häufig von einem Extrem zum anderen reichten. Aber die Diskussion ist Teil des Formats!
Der gemeinsame Nenner besteht auf einer allgemeinen Ebene: Der Kiefernschirm wird als wertvoller, schrittweise zu nutzender Übergangsbestand angesehen, die eichendominierte Naturverjüngung gilt grundsätzlich als tragfähiges Fundament, aktive Pflanzung wird zurückhaltend beurteilt, und Personalmangel und-qualität sowie unzureichende Bejagung werden durchgängig als limitierende Faktoren benannt.
Die großen Divergenzen liegen dagegen bei den konkreten Steuerungsgrößen (Bestockungsgrad, Zieldurchmesser, Zeiträume) und bei der Frage, wie viel aktiver Steuerungsaufwand für den Erhalt von Minderheiten-Baumarten noch gerechtfertigt ist. Diese Bandbreite spiegelt vermutlich weniger einen Mangel an fachlicher Klarheit wider als vielmehr die Stärke lokaler, erfahrungsbasierter Einschätzungen einzelner Försterinnen und Förster – sie unterstreicht aber auch den formulierten Wunsch nach klareren betrieblichen waldbaulichen Leitlinien, die diese Bandbreite zumindest in Teilen einhegen könnten.
Fazit
Anders als die Dauerwald-Waldwerkstatt zeigt diese Waldwerkstatt zur Verjüngungssteuerung deutlich größere fachliche Meinungsunterschiede – nicht nur zwischen den drei unterschiedlichen Beständen, sondern auch innerhalb jeder einzelnen Gruppe, wo die Positionen häufig von einem Extrem zum anderen reichten. Aber die Diskussion ist Teil des Formats!
Der gemeinsame Nenner besteht auf einer allgemeinen Ebene: Der Kiefernschirm wird als wertvoller, schrittweise zu nutzender Übergangsbestand angesehen, die eichendominierte Naturverjüngung gilt grundsätzlich als tragfähiges Fundament, aktive Pflanzung wird zurückhaltend beurteilt, und Personalmangel und-qualität sowie unzureichende Bejagung werden durchgängig als limitierende Faktoren benannt.
Die großen Divergenzen liegen dagegen bei den konkreten Steuerungsgrößen (Bestockungsgrad, Zieldurchmesser, Zeiträume) und bei der Frage, wie viel aktiver Steuerungsaufwand für den Erhalt von Minderheiten-Baumarten noch gerechtfertigt ist. Diese Bandbreite spiegelt vermutlich weniger einen Mangel an fachlicher Klarheit wider als vielmehr die Stärke lokaler, erfahrungsbasierter Einschätzungen einzelner Försterinnen und Förster – sie unterstreicht aber auch den formulierten Wunsch nach klareren betrieblichen waldbaulichen Leitlinien, die diese Bandbreite zumindest in Teilen einhegen könnten.
Weiterführende Informationen
- Waldwerkstatt Dauerwald
- Sachgebiet Waldbau am LFE
- Eberswalder Waldkolloquium 2026 Dauerwald
- Lesen Sie bei Waldwissen Artikel aus Brandenburg
Handlungsempfehlungen
querFELDein-Podcasts
Weiterführende Informationen
- Waldwerkstatt Dauerwald
- Sachgebiet Waldbau am LFE
- Eberswalder Waldkolloquium 2026 Dauerwald
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