Waldwerkstatt Dauerwald
SYNTHESE
Der Dauerwald ist ein Prinzip und kein Rezept! Ist Dauerwald als Prinzip im Prinzip in der deutschen Waldbewirtschaftung angekommen?! Diese und weitere Aspekte waren die Grundlage der Waldwerkstatt 2026. Ziel war es, die Bedeutung und Aktualität des Dauerwaldes als Zukunftsmodell in der heutigen Waldbewirtschaftung im Land Brandenburg zu erörtern.
Einordnung: Was ist Dauerwald?
Der Begriff „Dauerwald“ geht auf Alfred Möller zurück, der ihn 1922 in die forstliche Fachdiskussion einführte. Gemeint ist eine Hochwaldform, die den Wald als dauerhaften, sich selbst erneuernden Organismus begreift:
Es gibt keine Kahlschläge ("dauernd bestockt") und die Nutzung erfolgt einzelstamm- oder gruppenweise, während gleichzeitig kontinuierlich natürlich verjüngt wird. Ziel ist eine möglichst heterogene Struktur – unterschiedliche Altersstufen, Durchmesser, Höhen und Baumarten nebeneinander auf kleiner Fläche. Lesen und hören Sie mehr zum Dauerwald im Eberswalder Waldkolloquium.
Die Bestände
Punkt 1 ist ein gemischter Kiefernbestand mit einzelstammweiser Eiche und Birke im Oberstand und einer gemischten Verjüngung aus Eiche, Robinie, Kiefer, Birke und Roteiche. Besonders hervorzuheben ist die große Altersspanne bei den Kiefern im Oberstand (68 bis 150 Jahre). Der Bestand zeichnet sich durch initiale Strukturelemente aus, wobei fast ausschließlich Lichtbaumarten am Strukturaufbau beteiligt sind. Punkt 2 ist ein gemischter Buchenbestand mit einzelbaum und truppweise gemischter Eiche, Douglasie und Fichte. Der Bestand weißt eine große Heterogenität auf, sichtbar sind große Löcher im Kronendach. Eine flächendeckende Verjüngung ist bislang noch ausgeblieben. Punkt 3 ist ein Buchenbestand mit einzelbaum und truppweise gemischter Kiefer, Douglasie, Hainbuche und Fichte. Der Bestand weißt eine hohe Heterogenität auf, wobei das Kronendach weitgehend geschlossen ist und Verjüngung sich in Lücken etabliert hat. Hier geht es zum Exkursionsführer.
Fragen zur Analyse und Diskussion:
- Entspricht das Bestandsbild den Dauerwaldprinzipien?
- Wie sieht das langfristige Ziel für diesen Ausgangsbestand aus?
- Wie würde ihr nächster Eingriff konkret aussehen?
- Wie lassen sich Struktur und Verjüngung dauerhaft auf der Fläche erhalten und entwickeln?
- Ist das waldbauliche Vorgehen auf weitere Bestände in Brandenburg übertragbar?
- Sind die zur Verfügung stehenden Bestandesdaten (FBMS) für waldbauliches Handeln auf der Fläche im Vergleich zu Stichprobendaten ausreichend?
SYNTHESE
Der Dauerwald ist ein Prinzip und kein Rezept! Ist Dauerwald als Prinzip im Prinzip in der deutschen Waldbewirtschaftung angekommen?! Diese und weitere Aspekte waren die Grundlage der Waldwerkstatt 2026. Ziel war es, die Bedeutung und Aktualität des Dauerwaldes als Zukunftsmodell in der heutigen Waldbewirtschaftung im Land Brandenburg zu erörtern.
Einordnung: Was ist Dauerwald?
Der Begriff „Dauerwald“ geht auf Alfred Möller zurück, der ihn 1922 in die forstliche Fachdiskussion einführte. Gemeint ist eine Hochwaldform, die den Wald als dauerhaften, sich selbst erneuernden Organismus begreift:
Es gibt keine Kahlschläge ("dauernd bestockt") und die Nutzung erfolgt einzelstamm- oder gruppenweise, während gleichzeitig kontinuierlich natürlich verjüngt wird. Ziel ist eine möglichst heterogene Struktur – unterschiedliche Altersstufen, Durchmesser, Höhen und Baumarten nebeneinander auf kleiner Fläche. Lesen und hören Sie mehr zum Dauerwald im Eberswalder Waldkolloquium.
Die Bestände
Punkt 1 ist ein gemischter Kiefernbestand mit einzelstammweiser Eiche und Birke im Oberstand und einer gemischten Verjüngung aus Eiche, Robinie, Kiefer, Birke und Roteiche. Besonders hervorzuheben ist die große Altersspanne bei den Kiefern im Oberstand (68 bis 150 Jahre). Der Bestand zeichnet sich durch initiale Strukturelemente aus, wobei fast ausschließlich Lichtbaumarten am Strukturaufbau beteiligt sind. Punkt 2 ist ein gemischter Buchenbestand mit einzelbaum und truppweise gemischter Eiche, Douglasie und Fichte. Der Bestand weißt eine große Heterogenität auf, sichtbar sind große Löcher im Kronendach. Eine flächendeckende Verjüngung ist bislang noch ausgeblieben. Punkt 3 ist ein Buchenbestand mit einzelbaum und truppweise gemischter Kiefer, Douglasie, Hainbuche und Fichte. Der Bestand weißt eine hohe Heterogenität auf, wobei das Kronendach weitgehend geschlossen ist und Verjüngung sich in Lücken etabliert hat. Hier geht es zum Exkursionsführer.
Fragen zur Analyse und Diskussion:
- Entspricht das Bestandsbild den Dauerwaldprinzipien?
- Wie sieht das langfristige Ziel für diesen Ausgangsbestand aus?
- Wie würde ihr nächster Eingriff konkret aussehen?
- Wie lassen sich Struktur und Verjüngung dauerhaft auf der Fläche erhalten und entwickeln?
- Ist das waldbauliche Vorgehen auf weitere Bestände in Brandenburg übertragbar?
- Sind die zur Verfügung stehenden Bestandesdaten (FBMS) für waldbauliches Handeln auf der Fläche im Vergleich zu Stichprobendaten ausreichend?
Gemeinsame Kernbotschaften
Struktur ist das zentrale Ziel – und braucht Zeit
An allen drei Stationen war Konsens, dass horizontale, vertikale und Baumarten-Struktur der eigentliche Maßstab für „Dauerwald-Tauglichkeit“ eines Bestandes sind – nicht das Alter oder eine feste Zieldurchmesserspanne. Wo bereits Ansätze einer Plenterverteilung sichtbar sind, wird dies ausdrücklich als Übereinstimmung mit dem Dauerwaldgedanken gewertet. Gleichzeitig betonen alle Gruppen, dass sich eine solche Struktur nur über sehr lange Zeiträume entwickeln lässt und ein bestehender Pflegerückstand nicht kurzfristig aufzuholen ist.
„Strukturen brauchen Zeit“ – Ansätze ausgebildeter Horizontal- und Vertikalstruktur sollten gepflegt und weiterentwickelt, nicht „übers Knie gebrochen“ werden.
Baumartenmischung: Selbstregulation vs. aktive Förderung von Minderheiten
An allen drei Stationen taucht dieselbe grundsätzliche Weichenstellung auf: Überlässt man Mischbestände weitgehend der natürlichen Verjüngungsdynamik, dominieren in der Regel schattentolerante Arten (v. a. Rot-Buche, Hainbuche), während lichtbedürftigere Baumarten (Kiefer, Eiche, Aspe, Birke) zurückgedrängt werden – die Folge wäre eine schleichende Homogenisierung. Die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden plädiert stattdessen für eine aktive, stetige Förderung dieser Minderheiten- und Lichtbaumarten, auch wenn das einen höheren und dauerhaften Steuerungsaufwand bedeutet. Begründet wird dies vor allem mit dem Risikovorsorge-Argument:
Eine größere Baumartenvielfalt gilt als wichtigste Absicherung gegen unvorhersehbare künftige Störungen (Klima, Schädlinge, Witterungsextreme).
Das bedeutet für die Beispielbestände:
- Kiefer: In allen Stationen soll die Kiefer als Baumart im Bestand erhalten bleiben (z. B. Zielanteil ca. 50 % in Eberswalde, als „Matrixstruktur“ bzw. Reserve-/Pionierbaumart in Spechthausen und Schwärzesee), da natürliche Verjüngung wegen Lichtmangels und Humuszustand kaum von selbst gelingt.
- Eiche: Ihre Verjüngung wird an allen Stationen als besonders erhaltenswert, aber gefährdet (Verbiss, Lichtkonkurrenz) eingeschätzt; punktuelle Förderung bzw. ergänzende Saat wird diskutiert.
Vorgehen bei der Förderung: „ab kniehoch“ oder „ab Daumenstärke“ wurde als praktikabler Einstiegszeitpunkt für die Mischungsregulierung genannt, wobei die jeweilige Wuchsphase der Zielbaumart entscheidend bleibt.
Verjüngung: Wildeinfluss und Struktur-Risiko
Die Einschätzung des Wildverbisses geht in den Protokollen deutlich auseinander – von „kaum sichtbar“ bis „deutlich zu hoch“ reicht die Bandbreite selbst innerhalb derselben Gruppe. Übereinstimmend wird aber die konsequente Schalenwildbejagung als elementare Voraussetzung für Strukturerhalt und -entwicklung benannt, da gerade in bestehenden Verjüngungskegeln das Risiko besteht, seltene Mischbaumarten durch Wildeinfluss zu verlieren. Als Erkenntnisinstrument wird ein Weisergatter vorgeschlagen, um den tatsächlichen Wildeinfluss von anderen Ursachen (Bodenzustand, Lichtmangel) sauber zu trennen.
Diskutiert wird zudem, ob Naturverjüngung besser punktuell/gruppenweise (klassische „Verjüngungskegel“) oder flächig entwickelt werden sollte. Eine flächige Entwicklung wird von einer Gruppe als Alternative vorgeschlagen, um das Konzentrationsrisiko für das Wild zu verringern, ohne dass dies zwangsläufig zu Strukturverlust führen müsse, sofern die Lichtsteuerung stimmt.
Pflegeprinzipien: häufig und schwach statt selten und stark
Ein durchgängiges Prinzip aller drei Stationen: Im Dauerwald sind häufigere, schwächere Eingriffe besser als seltene, starke Eingriffe. Idealerweise wird die gesamte Fläche möglichst jährlich „durchmustert“, mit Eingriffen in potenziell allen Stärkeklassen und Baumarten gleichzeitig – nicht nacheinander oder isoliert nach Sortiment.
Bei der Auswahl von Z-Bäumen (Zukunftsbäumen) im Zwischenstand wird empfohlen, nicht mit festen Zielzahlen zu arbeiten, sondern bestandesabhängig die vitalsten, stärksten und qualitativ hochwertigsten Individuen auszuwählen und dabei Minderheiten gezielt zu schützen bzw. zu fördern.
Als Nutzungsregel gilt:
Erntereife Bäume (Zieldurchmesser erreicht) werden entnommen, ansonsten werden bevorzugt die qualitativ und vital schwächsten Exemplare entnommen.
Dass dabei häufig viele verschiedene Sortimente in geringem Volumen anfallen, wird zwar als Herausforderung für die Holzvermarktung anerkannt – darf laut Konsens aber nicht dazu führen, dass bestimmte Baumarten oder Durchmesserbereiche aus Vermarktungsgründen ausgelassen oder übernutzt werden.
Datengrundlage: klassische Forsteinrichtung reicht nicht
Alle drei Stationen kommen unabhängig voneinander zu demselben Schluss: Die klassische, flächenbezogene Forsteinrichtung (Bestockungshomogene Einheiten im DSW2) bildet die für die Dauerwald-Steuerung notwendige Information. Insbesondere zu Durchmesserverteilungen, vertikaler Struktur und Verjüngungszusammensetzung im Unter- und Zwischenstand – nicht ausreichend ab.
Übereinstimmende Lösung:
Es wird ein kombiniertes Verfahren aus flächiger Forsteinrichtung und ergänzenden Stichprobeninventuren vorgeschlagen (als Vorbild wird ein Verfahren aus Sachsen genannt), das auch ökologische Strukturkennzahlen einbeziehen könnte. Eingeräumt wird zugleich, dass ein solches kombiniertes Verfahren aufwendig und ressourcenseitig aktuell kaum leistbar ist.
Personal als limitierender Faktor
Über alle Stationen hinweg besteht Konsens, dass die konsequente Umsetzung des Dauerwaldkonzepts außerordentlich anspruchsvollen, personalintensiven Waldbau erfordert – ständige Beobachtung und waldbauliches Nachsteuern lassen sich nicht standardisieren. Wichtiger noch als die schiere Personalmenge wird dabei die Qualifikation genannt. Beides wird für den Landesbetrieb Forst Brandenburg aktuell als unzureichend eingeschätzt.
Weiser- und Demonstrationsflächen als Lern- und Diskussionsinstrument
Als übergreifend wichtig werden Weiser- bzw. Demonstrationsflächen genannt, die als Diskussions- und Lehrobjekt dienen können. Marteloskope werden hierfür ausdrücklich als geeignetes Format vorgeschlagen, da sie waldbauliche Entscheidungen (Anzeichnung von Erhaltungs- und Erntebäumen) praxisnah simulierbar und damit vergleichbar sowie diskutierbar machen.
Struktur ist das zentrale Ziel – und braucht Zeit
An allen drei Stationen war Konsens, dass horizontale, vertikale und Baumarten-Struktur der eigentliche Maßstab für „Dauerwald-Tauglichkeit“ eines Bestandes sind – nicht das Alter oder eine feste Zieldurchmesserspanne. Wo bereits Ansätze einer Plenterverteilung sichtbar sind, wird dies ausdrücklich als Übereinstimmung mit dem Dauerwaldgedanken gewertet. Gleichzeitig betonen alle Gruppen, dass sich eine solche Struktur nur über sehr lange Zeiträume entwickeln lässt und ein bestehender Pflegerückstand nicht kurzfristig aufzuholen ist.
„Strukturen brauchen Zeit“ – Ansätze ausgebildeter Horizontal- und Vertikalstruktur sollten gepflegt und weiterentwickelt, nicht „übers Knie gebrochen“ werden.
Baumartenmischung: Selbstregulation vs. aktive Förderung von Minderheiten
An allen drei Stationen taucht dieselbe grundsätzliche Weichenstellung auf: Überlässt man Mischbestände weitgehend der natürlichen Verjüngungsdynamik, dominieren in der Regel schattentolerante Arten (v. a. Rot-Buche, Hainbuche), während lichtbedürftigere Baumarten (Kiefer, Eiche, Aspe, Birke) zurückgedrängt werden – die Folge wäre eine schleichende Homogenisierung. Die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden plädiert stattdessen für eine aktive, stetige Förderung dieser Minderheiten- und Lichtbaumarten, auch wenn das einen höheren und dauerhaften Steuerungsaufwand bedeutet. Begründet wird dies vor allem mit dem Risikovorsorge-Argument:
Eine größere Baumartenvielfalt gilt als wichtigste Absicherung gegen unvorhersehbare künftige Störungen (Klima, Schädlinge, Witterungsextreme).
Das bedeutet für die Beispielbestände:
- Kiefer: In allen Stationen soll die Kiefer als Baumart im Bestand erhalten bleiben (z. B. Zielanteil ca. 50 % in Eberswalde, als „Matrixstruktur“ bzw. Reserve-/Pionierbaumart in Spechthausen und Schwärzesee), da natürliche Verjüngung wegen Lichtmangels und Humuszustand kaum von selbst gelingt.
- Eiche: Ihre Verjüngung wird an allen Stationen als besonders erhaltenswert, aber gefährdet (Verbiss, Lichtkonkurrenz) eingeschätzt; punktuelle Förderung bzw. ergänzende Saat wird diskutiert.
Vorgehen bei der Förderung: „ab kniehoch“ oder „ab Daumenstärke“ wurde als praktikabler Einstiegszeitpunkt für die Mischungsregulierung genannt, wobei die jeweilige Wuchsphase der Zielbaumart entscheidend bleibt.
Verjüngung: Wildeinfluss und Struktur-Risiko
Die Einschätzung des Wildverbisses geht in den Protokollen deutlich auseinander – von „kaum sichtbar“ bis „deutlich zu hoch“ reicht die Bandbreite selbst innerhalb derselben Gruppe. Übereinstimmend wird aber die konsequente Schalenwildbejagung als elementare Voraussetzung für Strukturerhalt und -entwicklung benannt, da gerade in bestehenden Verjüngungskegeln das Risiko besteht, seltene Mischbaumarten durch Wildeinfluss zu verlieren. Als Erkenntnisinstrument wird ein Weisergatter vorgeschlagen, um den tatsächlichen Wildeinfluss von anderen Ursachen (Bodenzustand, Lichtmangel) sauber zu trennen.
Diskutiert wird zudem, ob Naturverjüngung besser punktuell/gruppenweise (klassische „Verjüngungskegel“) oder flächig entwickelt werden sollte. Eine flächige Entwicklung wird von einer Gruppe als Alternative vorgeschlagen, um das Konzentrationsrisiko für das Wild zu verringern, ohne dass dies zwangsläufig zu Strukturverlust führen müsse, sofern die Lichtsteuerung stimmt.
Pflegeprinzipien: häufig und schwach statt selten und stark
Ein durchgängiges Prinzip aller drei Stationen: Im Dauerwald sind häufigere, schwächere Eingriffe besser als seltene, starke Eingriffe. Idealerweise wird die gesamte Fläche möglichst jährlich „durchmustert“, mit Eingriffen in potenziell allen Stärkeklassen und Baumarten gleichzeitig – nicht nacheinander oder isoliert nach Sortiment.
Bei der Auswahl von Z-Bäumen (Zukunftsbäumen) im Zwischenstand wird empfohlen, nicht mit festen Zielzahlen zu arbeiten, sondern bestandesabhängig die vitalsten, stärksten und qualitativ hochwertigsten Individuen auszuwählen und dabei Minderheiten gezielt zu schützen bzw. zu fördern.
Als Nutzungsregel gilt:
Erntereife Bäume (Zieldurchmesser erreicht) werden entnommen, ansonsten werden bevorzugt die qualitativ und vital schwächsten Exemplare entnommen.
Dass dabei häufig viele verschiedene Sortimente in geringem Volumen anfallen, wird zwar als Herausforderung für die Holzvermarktung anerkannt – darf laut Konsens aber nicht dazu führen, dass bestimmte Baumarten oder Durchmesserbereiche aus Vermarktungsgründen ausgelassen oder übernutzt werden.
Datengrundlage: klassische Forsteinrichtung reicht nicht
Alle drei Stationen kommen unabhängig voneinander zu demselben Schluss: Die klassische, flächenbezogene Forsteinrichtung (Bestockungshomogene Einheiten im DSW2) bildet die für die Dauerwald-Steuerung notwendige Information. Insbesondere zu Durchmesserverteilungen, vertikaler Struktur und Verjüngungszusammensetzung im Unter- und Zwischenstand – nicht ausreichend ab.
Übereinstimmende Lösung:
Es wird ein kombiniertes Verfahren aus flächiger Forsteinrichtung und ergänzenden Stichprobeninventuren vorgeschlagen (als Vorbild wird ein Verfahren aus Sachsen genannt), das auch ökologische Strukturkennzahlen einbeziehen könnte. Eingeräumt wird zugleich, dass ein solches kombiniertes Verfahren aufwendig und ressourcenseitig aktuell kaum leistbar ist.
Personal als limitierender Faktor
Über alle Stationen hinweg besteht Konsens, dass die konsequente Umsetzung des Dauerwaldkonzepts außerordentlich anspruchsvollen, personalintensiven Waldbau erfordert – ständige Beobachtung und waldbauliches Nachsteuern lassen sich nicht standardisieren. Wichtiger noch als die schiere Personalmenge wird dabei die Qualifikation genannt. Beides wird für den Landesbetrieb Forst Brandenburg aktuell als unzureichend eingeschätzt.
Weiser- und Demonstrationsflächen als Lern- und Diskussionsinstrument
Als übergreifend wichtig werden Weiser- bzw. Demonstrationsflächen genannt, die als Diskussions- und Lehrobjekt dienen können. Marteloskope werden hierfür ausdrücklich als geeignetes Format vorgeschlagen, da sie waldbauliche Entscheidungen (Anzeichnung von Erhaltungs- und Erntebäumen) praxisnah simulierbar und damit vergleichbar sowie diskutierbar machen.
Kontroverse Punkte und offene Fragen
- Zeitpunkt des nächsten Eingriffs: Die Meinungen reichen von „sofort sinnvoll, um vor der Welle zu bleiben“ bis „ökonomisch noch zu früh, da zu wenig Nutzholzmenge anfällt“. Ökonomische Effizienzüberlegungen (Mindestmenge je Eingriff) stehen dem waldbaulichen Grundsatz „lieber häufig und schwach“ teilweise entgegnen.
- Rolle der klassischen Forsteinrichtung: Eine Minderheitsposition hält die flächige Forsteinrichtung – ergänzt um forstliche Erfahrung („forstlicher Götterblick“) – für ausreichend, während die Mehrheit dringend zusätzliche Stichprobendaten fordert.
- Verbissdruck: Die Einschätzung, ob der aktuelle Wildverbiss ein akutes Problem darstellt oder nicht, geht selbst innerhalb einzelner Gruppen deutlich auseinander.
- Steuerungsgrad der Verjüngung: Punktuelle/gruppenweise Förderung einzelner Baumarten (Verjüngungskegel) versus möglichst flächige, licht-gesteuerte Verjüngung ohne gezielte Einzelbaumförderung.
- Umgang mit „Zuwachsträgern“: Ob die vorzeitige Entnahme älterer, zuwachsstarker Kiefern zugunsten von Laubholzverjüngung gerechtfertigt ist („Kälber schlachten“), wird kontrovers diskutiert – zwischen Ertragseinbußen einerseits und Risikominderung/Investitionsvermeidung andererseits.
- Zeitpunkt des nächsten Eingriffs: Die Meinungen reichen von „sofort sinnvoll, um vor der Welle zu bleiben“ bis „ökonomisch noch zu früh, da zu wenig Nutzholzmenge anfällt“. Ökonomische Effizienzüberlegungen (Mindestmenge je Eingriff) stehen dem waldbaulichen Grundsatz „lieber häufig und schwach“ teilweise entgegnen.
- Rolle der klassischen Forsteinrichtung: Eine Minderheitsposition hält die flächige Forsteinrichtung – ergänzt um forstliche Erfahrung („forstlicher Götterblick“) – für ausreichend, während die Mehrheit dringend zusätzliche Stichprobendaten fordert.
- Verbissdruck: Die Einschätzung, ob der aktuelle Wildverbiss ein akutes Problem darstellt oder nicht, geht selbst innerhalb einzelner Gruppen deutlich auseinander.
- Steuerungsgrad der Verjüngung: Punktuelle/gruppenweise Förderung einzelner Baumarten (Verjüngungskegel) versus möglichst flächige, licht-gesteuerte Verjüngung ohne gezielte Einzelbaumförderung.
- Umgang mit „Zuwachsträgern“: Ob die vorzeitige Entnahme älterer, zuwachsstarker Kiefern zugunsten von Laubholzverjüngung gerechtfertigt ist („Kälber schlachten“), wird kontrovers diskutiert – zwischen Ertragseinbußen einerseits und Risikominderung/Investitionsvermeidung andererseits.
Fazit
Trotz unterschiedlicher Ausgangsbestände zeigen alle drei Stationen ein bemerkenswert einheitliches Bild dessen, was Dauerwald-Bewirtschaftung in der Praxis bedeutet: der konsequente, geduldige Aufbau und Erhalt von Struktur- und Baumartenvielfalt durch häufige, schwache und über alle Baumarten und Durchmesserbereiche verteilte Eingriffe, flankiert von konsequenter Wildbejagung, einer verbesserten (kombinierten) Datengrundlage und ausreichend qualifiziertem Personal. Wirtschaftliche Aspekte (Holzvermarktung, Ertrag) werden dabei nicht ausgeblendet, sollen aber die waldbaulichen Grundsätze nicht überstimmen. Die größte Spannung besteht zwischen dem Bedürfnis nach klaren, planbaren Eingriffsregeln und der Notwendigkeit, jeden Bestand nach seiner individuellen, oft sehr heterogenen Ausgangslage zu behandeln – weshalb waldbauliche Intuition und Vor-Ort-Erfahrung und neben rechnerischer Planung ausdrücklich als gleichrangig notwendig gelten.
Fazit
Trotz unterschiedlicher Ausgangsbestände zeigen alle drei Stationen ein bemerkenswert einheitliches Bild dessen, was Dauerwald-Bewirtschaftung in der Praxis bedeutet: der konsequente, geduldige Aufbau und Erhalt von Struktur- und Baumartenvielfalt durch häufige, schwache und über alle Baumarten und Durchmesserbereiche verteilte Eingriffe, flankiert von konsequenter Wildbejagung, einer verbesserten (kombinierten) Datengrundlage und ausreichend qualifiziertem Personal. Wirtschaftliche Aspekte (Holzvermarktung, Ertrag) werden dabei nicht ausgeblendet, sollen aber die waldbaulichen Grundsätze nicht überstimmen. Die größte Spannung besteht zwischen dem Bedürfnis nach klaren, planbaren Eingriffsregeln und der Notwendigkeit, jeden Bestand nach seiner individuellen, oft sehr heterogenen Ausgangslage zu behandeln – weshalb waldbauliche Intuition und Vor-Ort-Erfahrung und neben rechnerischer Planung ausdrücklich als gleichrangig notwendig gelten.
Weiterführende Informationen
- Waldwerkstatt Verjüngungssteuerung
- Sachgebiet Waldbau am LFE
- Eberswalder Waldkolloquium 2026 Dauerwald
- Lesen Sie bei Waldwissen Artikel aus Brandenburg
Handlungsempfehlungen
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